Ausstellungsgebäude Mathildenhöhe
Darmstadt, 2012 - 2024
Kulturbauten, Denkmal
Im Jahr 2012 wurde schneider+schumacher im Rahmen eines VOF-Verfahrens für die Sanierung des Ausstellungsgebäudes auf der Mathildenhöhe Darmstadt ausgewählt. Der Bau wurde 1908 nach dem Entwurf von Joseph Maria Olbrich fertiggestellt, in den 1970er Jahren umfassend saniert und erweitert und ist Teil der Künstlerkolonie Mathildenhöhe, die 2021 zum UNESCO-Welterbe ernannt wurde. Die 2024 abgeschlossene energetische Sanierung war notwendig, um das Haus auch künftig für überregionale Wechselausstellungen nutzen zu können.
In enger Zusammenarbeit mit den Fachplanungsbüros und begleitet vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik wurde aus den Möglichkeiten und dem Charakter des Gebäudes heraus eine Planung erarbeitet, die von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) als Konzeption einer beispielhaften energetischen Sanierung gefördert wurde. Das Konzept vereint aktive Komponenten zur Energieeinsparung wie moderne und energieeffiziente Anlagentechnik auf vorbildliche Weise mit passiven, bauseitigen Komponenten wie Dämmsystemen, innovativen Baustoffen oder Passivbaukonzepten. Die Herausforderung bestand in der geringen verfügbaren Fläche für die Anlagentechnik, wodurch eine möglichst platzsparende und dezentral angelegte Technik erforderlich wurde und die Optimierung der Gebäudehülle in den Vordergrund trat. Zugleich wurden, stets im Einklang mit dem Denkmalschutz, kleinere Unzulänglichkeiten hinsichtlich Besucherführung und Erscheinungsbild behoben. Eine wesentliche Verbesserung über die energetische Sanierung hinaus betrifft die Neuordnung des Cafés. Untergebracht in der ehemaligen Schieberkammer des Wasserreservoirs sowie barrierefrei und unabhängig von den Museumsöffnungszeiten zugänglich, bietet es einen angemessenen Treffpunkt innerhalb der Weltkulturerbestätte. Die innenarchitektonische Gestaltung des Cafés und der Ausstellungsräume wurde ebenfalls von schneider+schumacher übernommen.
Nachhaltigkeit:
Suffizienz: geschickte Umorganisation der vorhandenen Flächen zur bedarfsgerechten Optimierung, Auslegung der Lüftungstechnik in Abhängigkeit zu den vorgefundenen Gegebenheiten (Prinzip: Was kann das Gebäude?), interdisziplinäre Zusammenarbeit im Planungsteam, Kompromissbereitschaft auf Seiten der Denkmalpflege sowie bei Bauherrn und Nutzer
Klimaschutz/Energiekonzept: Integraler Planungsansatz (gefördert aus Mitteln der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU)); dezentrales Anlagensystem mit unterschiedlichen Komponenten, die sich aus dem Gebäude und dessen Randbedingungen heraus ergeben: historisches Wasserreservoir als Energiespeicher, Aerogel-Dämmputz zur denkmalgerechten Ertüchtigung der Gebäudehülle, moderne Gläser für effizienten Einsatz von Tageslicht bei gleichzeitig minimierten Wärmeverlusten, Innenwand- und -deckenoberflächen außerhalb der Hängebereiche mit Bauteilaktivierung, Nutzung der Kriechgänge der bauzeitlichen Luftheizung für neue Abluftführung, Gasbrennwertkessel + BHKW im benachbarten Ernst-Ludwig-Haus (dort Schornstein möglich bzw. vorhanden) ,acht Erdsonden zur unterstützenden Rückkühlung über Wasserspeicher, dadurch Senkung des Endenergiebedarfs um 60% sowie des Primärenergiebedarfs um 65% bei gleichzeitig sehr hohem thermischen Komfort
Umwelt: maximaler Substanzerhalt aus denkmalpflegerischen Gründen bedeutet minimalen Einsatz von grauer Energie
Positive Räume: neues Café nach Westen als Treffpunkt und Identifikation, neues Kabinett als repräsentatives „Gästezimmer“ für besondere Termine und Präsentationen, Integration von barrierefreier Erschließung für alle wesentlichen Bereiche
Verknüpftes Innenausbauprojekt:
Ausstellungsgebäude Mathildenhöhe - InnenarchitekturTechnische Daten:
Typologien: Kulturbauten, DenkmalLeistungsphasen: 1-8
Bauherr/Auslober: Eigenbetrieb Immobilienmanagement, Wissenschaftsstadt Darmstadt
Projekt Architekt: Astrid Wuttke
Bruttogrundfläche: 5.800 m²